Sekundärmarkt und Cashdrag: die Wahrheit über Liquidität bei P2P-Plattformen
„Jederzeit verkaufbar über den Sekundärmarkt“ steht in vielen Plattformbeschreibungen. Doch was ist der Sekundärmarkt, funktioniert er wirklich, und gibt es noch einen zweiten Faktor, der die erwünschten Renditen bei der P2P-Investition gefährdet? Beide Phänomene sollten für alle, die die Liquidität und die Rendite von P2P-Plattformen richtig einschätzen wollen, griffbereit sein.
Was ist der Sekundärmarkt und warum gibt es ihn?
P2P-Kredite sind illiquide. Du verleihst Geld an ein Unternehmen über eine feste Laufzeit, meistens zwischen 6 und 36 Monaten. Falls du aber früher an dein Geld kommen willst, gibt es den Sekundärmarkt. Dort können sich Personen mit laufenden Krediten austauschen. Die Plattform organisiert und überwacht den Austausch.
In der Theorie funktioniert das hervorragend, um die Illiquidität zu lösen. In der Praxis hängt es allerdings von der Zahlungsbereitschaft anderer Anleger ab, was bei weitem nicht garantiert ist.
Wann funktioniert Liquidität wirklich?
Die Liquidität über den Sekundärmarkt hängt von mehreren Faktoren ab:
- Die Marktstimmung. Ob es viele Käufer gibt, hängt davon ab, wie viele Anleger gleichzeitig ihren Kredit verkaufen wollen. In einer Krise steigt die Nachfrage nach Liquidität, da Anleger ihre Gelder schnellstmöglich ablösen müssen. Das passiert allerdings am ehesten genau dann, wenn sie selbst an ihr Geld kommen müssen.
- Die Qualität des angebotenen Kredits. Ein Kredit, der pünktlich zurückgezahlt wurde, lässt sich viel leichter verkaufen als ein Kredit mit Zahlungsverzug.
- Die Angebotspreise. Kredite werden auf dem Sekundärmarkt meistens nicht mit vollem Preisnachlass angeboten; einige Plattformen ziehen zudem eine Gebühr für den Sekundärmarkt, die die verfügbare Summe beeinflusst.
- Die Größe des Marktes. Je mehr Anleger eine Plattform hat, desto höher die Chance auf Liquidität.
Die meisten Plattformen zeigen inzwischen Sekundärmarktdaten in ihren jeweiligen Publikationen. Maclear zum Beispiel gibt alle Sekundärmarktdaten monatlich aus.
Der unsichtbare Renditefresser: Cashdrag
Der Cashdrag ist der Faktor, der meistens nicht direkt wahrgenommen wird. Nicht das Geld, das du bei der Plattform angelegt hast, sondern die Perioden, in denen dein Geld nicht arbeitet.
Wenn du dein Geld bei einer Plattform einzahlst, werden oftmals keine passenden Angebote für dein Geld gefunden. Wenn ein Kredit zurückgezahlt wurde, bleibt dein Geld liegen, bis du es neu anlegen kannst. Außerdem werden Zinsen und Tilgungen einfach nur gesammelt, ohne investiert zu werden.
Wenn dein Geld nicht arbeitet, sinkt deine effektive Rendite. Wenn die Plattform mit 12 % Rendite wirbt, dein Geld aber nur 10 % der Zeit investiert ist, ist deine tatsächliche Rendite viel niedriger.
Wie man Cashdrag bekämpft
Eine Möglichkeit, den Cashdrag zu reduzieren, ist die Automatisierung deiner Anlage. Die meisten Plattformen bieten eine Auto-Invest-Funktion an, die dein Geld direkt wieder investiert, sobald ein Kredit zurückgezahlt wird.
Wenn du eine gute Strategie für die Auto-Invest-Funktion eingerichtet hast, wird dein Geld kaum mehr brachliegen. Selbst bei kleinen Portfolios bleibt allerdings immer ein Teil davon bei den Plattformen liegen, der Cashdrag verursacht.
Interessanterweise stehen die beiden Faktoren in Spannung zueinander. Je höher die Liquidität ist, desto häufiger kannst du den Sekundärmarkt nutzen. Das bedeutet aber auch, dass dein Geld häufiger ausstehen muss, was wiederum Cashdrag verursacht. Wenn du den Cashdrag minimieren willst, musst du auf Liquidität verzichten.
Es gibt kein kostenloses Mittagessen. Hohe Liquidität bedeutet oft verlorene Rendite, volle Auslastung bedeutet weniger Flexibilität bei deinem Geld.
Was Anleger daraus mitnehmen sollten
Die Liquidität über den Sekundärmarkt ist nicht garantiert. Außerdem kostet dich das Geld, das du bei der Plattform einzahlst, die Illiquidität. Beide Faktoren werden auf den Plattformen nicht erwähnt, gehören aber in jede ehrliche Berechnung, die du vorab für deine Investition durchführst.
Du solltest also auf P2P-Plattformen nur dann Geld einsetzen, wenn es dir nicht wichtig ist, das Geld innerhalb der gegebenen Laufzeit verfügbar zu haben. Außerdem solltest du vermeiden, auf den Sekundärmarkt zurückzugreifen, wenn du im Ernstfall an das eingesetzte Geld kommen musst. Letztendlich hilft die Auto-Invest-Funktion bei der Verringerung des Cashdrags.
Wenn du dich entsprechend verhältst, wirst du von beiden Phänomenen bei deiner Investition nicht überrascht. Und das ist bei dieser Art von Anlage bereits die halbe Miete.
Dieser Artikel soll ausschließlich informieren. Er stellt keine Anlageberatung dar. P2P-Plattformen bergen Risiken, einschließlich des vollständigen Verlusts des bei der Plattform eingezahlten Geldes. Die Plattformen werden weder staatlich noch durch andere Möglichkeiten gesichert. Die aktuelle Lage der Plattformen sollte dir bei deiner Entscheidung vorab bekannt sein.